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Jüdische Rundschau Interview (5. Jun 1997)
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EIN VIRTUOSE EROBERT DIE HERZEN SEINER ZUHÖRER
Basel/Musik - Alex Jacobowitz auf dem Marimbaphon im Basler Stadtcasino
Der New Yorker Xylophonist Alex Jacobowitz spielt am Donnerstag, den 5. Juni, am 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Jerusalems im Stadtcasino in Basel. Zu hören sind Werke von Bach, Beethoven, Scarlatti und Mozart, ferner Werke von spanischen Komponisten. Dazwischen liest Jacobowitz Geschichten aus seinem Buch, über seine Erlebisse als Musiker. Mit dem schillernden Künstler unterhielt sich für die JR Regula Rosenthal.
Geboren ist der 37jährige Musiker in Upstate New York, wo er auch sein Musikstudium in der Ithaca School of Music erhielt. Mit zehn Jahren spielte Jacobowitz auf der Trommel, das er selbst als rudimentäres Trommeln beschreibt, ähnlich dem trommeln an der Basler Fasnacht. Sein Vater, ein Ingenieur, arbeitete als Planer von Unterseebooten für die US-Marine. Seine Frau Ruth und die sieben Kinder wohnen in Israel. Jacobowitzs Buch: "Ein klassischer Klezmer", Reisegeschichten eines jüdischen Musikers, erscheint Ende Juni.
Jüdische Rundschau: Wieso kamen Sie auf die Idee, auf der Strasse zu spielen?
Alex Jacobowitz: Gordon Stout, mein Lehrer, lud viele seiner Studenten zu einem Konzert nach New York ein. Dort traf ich einen Musiker, der mir erzählte, wie erfolgreich er nachts auf dem Broadway Musik machte. So entschloss ich mich, dasselbe zu tun. Sehr bald machte ich schöne Fortschritte, lernte auch mit meinem Publikum zu reden. Es bewegte sich etwas und so kam es, dass ich dann auch in Orchestern spielte, am Fernsehen auftrat und im Lincoln Center spielen konnte.
J.R.: Wieso spielen Sie denn auf der Strase, wenn Sie ohne weiteres im Konzertsaal auftreten könnten?
A.J.: Mir gefällt auf der Strasse der enge Kontakt zu meinen Zuhörern. Ich kann die Musik erklären, alles ist sehr viel spontaner. Ich kann meine Fähigkeiten als Kommunikator entwickeln. Im Konzertsaal habe ich höchstens 500 Zuhörer, hingegen auf der Strasse bis zu 5000 pro Tag. Auch wird man so interessanter für die Medien.
J.R.: Sie spielen auf dem Marimbaphon. Worin besteht der Unterschied zu einem Xylophon und woher kommt das Instrument ursprünglich?
A.J.: Das Marimbaphon stammt aus Afrika. In Südafrika bedeutet Marimba: viele Noten oder Lieder. Das Xylophon kommt aus dem griechischen und heisst: Holzton. Das Marimbaphon gehört zur Familie des Xylophons.
J.R.: Sie spielen Bach, Mozart und Beethoven - wie steht es mit jüdischer Musik?
A.J.: Jüdsiche Musik ist für mich etwas so Persönliches, die ich nicht auf der Strasse spielen möchte. Diese Musik ist so speziell und man muss sie verstehen können. Ich möchte das Judentum, das mir sehr wichtig ist, nicht verkaufen.
J.R.: Welche Aussage hat Ihre Musik?
A.J.: Je nach Musik ist das anders. Ich denke, im Leben gibt es viele tiefgründige Dinge, doch die Menschen sind nicht offen genug, diese zu erfassen. Meine Musik soll dazu beitragen, dass sich Menschen für das Schöne im Leben öffnen. Von grosser Wichtigkeit für mich ist: Das Gebet als Sprache mit Gott und die Musik als Sprache mit den Menschen.
J.R.: Wer in der Musikwelt ist Ihr Idol?
A.J.: Ich bin Jude. Ich habe keine Idole. Doch den Musiker Andrés Segovia verehre ich. Er hat die klassische Gitarre gespielt in einer Zeit, zu der sie noch nicht verstanden wurde. Er hat Komponisten überzeugt, für ihn zu komponieren. Er war sehr mit seinem Instrument verbunden. Ich wäre gerne ein "Segovia" für mein Instrument.
J.R.: Sie reisen von Ort zu Ort und von Land zu Land. Wie gehen Sie vor?
A.J.: Ich fahre mit menem Wohnwagen und habe eine Route wie die Vögel. Wird es kalt, so fahre ich nach Süden von Europa und umgekehrt. Im Winter bin ich bei meiner Frau Ruth und den Kindern in Israel.
J.R.: Sie haben in letzter Zeit vor allem in der Schweiz unter Antisemitismus zu leiden. Wie gehen Sie damit um?
A.J.: Je nach dem - wenn ich merke, dass in der Menge jemand ist, der Ärger machen will, versuche ich ihn zu ignorieren, dann warte ich ab und sehe, wie die Menge sich verhält. Normalerweise wird die Menge dadurch paralysiert. Ich starre den Betreffenden an und meistens geht er weg. Leider hat sich die Situation verschlimmert, und ich hoffe, dass sich dieses Problem bald lösen wird.
J.R.: Sie sind sehr kontaktfreudig. Wie reagieren Ihre Zuhörer?
A.J.: Ich treffe verschiedene Leute. Sobald diese von meiner Musik berührt sind, kommen sie zu mir und erzählen mir aus ihrem Leben. Deshalb habe ich im Internet eine Web-Site, so können die Leute meine Aktivitäten verfolgen.
J.R.: Was sind Ihre nächsten Projekte nach dem Konzert in Basel?
A.J.: Nächste Woche spiele ich für die Bnei Brith-Loge in Basel, dann vier Tage in Leipzig, am 22.Juni wieder in Basel für die WIZO und dann an einem Schlagzeug- festival in Kroatien. Ich habe viele Angebote für Konzerte erhalten, doch weiss ich nicht, ob ich die Strasse schon verlasen will, es macht mir ungeheuer grossen Spass.
Interview Regula Rosenthal |
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