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St. Galler Tagblatt (17. Okt 1994)
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St. Galler Tagblatt 17. Oktober 1994
EIN LEONARD BERNSTEIN DES MARIMBAPHONS
Ein Gitarrenstück von Isaac Albéniz, konzertsaalreif vorgetragen, hallt durch die Multergasse. Der weithin tragende Klang erklingt aus einme Marimbaphon, einer Art Xylophon von beactlichen Dimensionen.
Gespielt wird es von einem Mann in Anzug, Krawatte und der schwarzen Kippah auf dem Kopf, die den orthodoxen Juden kennzeichnet.
Die Menschentraube ist gross vor dem "Globus", wo er konzertiert, ebenso die Aufmerksamkeit der Zuhörer für seine oft witzigen Ansagen in Englisch oder gebrochenem Deutsch, mit denen er seine Musik erklärt. Das Repertoire lässt aufhorchen: Klassische spanische Gitarrenmusik, Scarlatti, Couperin, Beethovens "An Elise", viel Bach: Inventionen, Präludien und Fugen aus dem "Wohltemperierten Klavier".
So spontan, wie er mit dem Publikum kommuniziert, gibt er auch über sich Auskunft: Der Mann heisst Alex Jacobowitz, ist 34 Jahre alt, stammt aus New York und ist Berufsmusiker mit klassischer Ausbildung. Doch der Drang, Musik unter die Menschen zu bringen, trieb ihn auf die Strasse, wo er nicht ausschliesslich, aber häufiger anzutreffen ist als im Konzertsaal.
Sein Vorbild der Popularisierung klassischer Musik ist Leonard Bernstein, der als einer der ersten seine Programme mit witzigen Ansagen verband und so nicht nur gute Musik, sondern auch kulturgeschichtliches Wissen spielerisch-spielend unters Volk brachte. Und zwar so wenig "akademisch" wie die Wiedergabe dieser Musik: hinreissend musikantisch dargeboten, auch bei Alex Jacobowitz.
Davon werden sich die St.Galler in den nächsten Tagen wohl noch mehrmals überzeugen können, denn Alex Jacobowitz wird zwischen Konzertauftritten in Deustschland zurückkehren. Nur am Freitagabend und Samstag wird man vergeblich nach ihm Ausschau halten: Als gläubigem Juden ist ihn der Sabbat heilig. gfh. |
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