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Halle Zeitung (2002)
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Leute in Halle
Der «Paganini der Marimba» auf dem Boulevard Alex Jacobowitz begeistert die Passanten auf Halles Einkaufsmeile
von Jens Borghardt
Halle. «Wozu Bach, Beethoven und Mozart zehn Finger und zwei Füße zur Verfügung hatten, dafür habe ich nur meine beiden Hände», sagt Alex Jacobowitz am Donnerstag zu den fasziniert stehengebliebenen Menschen auf dem halleschen Boulevard. Dann läßt er die vier Schlägel über das Marimbaphon tanzen. Nein, eigentlich streichelt er das über zwei Meter lange Xylophon. Manchmal stellt er es als seine Frau Marimba vor.
Die Zuhörer sind sofort gefangen von der Liebe des Musikers zu seinem Instrument. Sie folgen der Musik und die Botschaft von Alex Jacobowitz scheint ihre Herzen zu erreichen. Toleranz, Menschlichkeit und Verständigung will er vermitteln. Von traditionellem jüdischen Klezmer über Bach und die Wiener Klassiker bis zur romantischen spanischen Gitarrenmusik Francisco Tárregas reicht das Repertoire, das der Jude aus New York, der in fast allen Metropolen dieser Welt zuhause ist, für sein außergewöhnliches Instrument arrangiert hat.
Zwischen den Stücken versucht er immer wieder mit den Zuhörern ins Gespräch zu kommen - auf deutsch, englisch und französisch: Schließlich hat Halle zur Zeit eine Menge Gäste. Nach dem Konzert lobt der Vater von sieben Kindern, der seit über zwanzig Jahren Straßenmusiker ist und dies auch bleiben möchte, den musikalischen Sachverstand des halleschen Publikums. Die "Toccata in D-Moll" von Johann Sebastian Bach wird sofort erkannt. Und eine junge Frau, deren kleine Tochter ganz gebannt ist von der Wärme der Musik und der Ausstrahlung des Künstlers, weiß sogar, dass jetzt die Fuge kommen müßte. Aber Jacobowitz wechselt das Genre, denn: "Die Fuge dauert 45 Minuten. Solange ist noch nie jemand stehen geblieben." Stattdessen bittet der ehemalige Schlagzeuger des Jerusalem Symphonic Orchestra das Publikum, näher an ihn heranzutreten um die leisen Töne der "Rucuerdos de la Alhambra" gut hören zu können. Doch vorher bitte noch die Mobiltelefone ausschalten: "Eine Begleitung von Nokia ist nicht vorgesehen."
Gerade diese lockere Art in der Jacobowitz mit seinem Publikum kommuniziert, schafft eine besondere Bindung zwischen Zuhörer und Interpreten. Sein virtuoses Spiel läßt noch den hektischsten Passanten verweilen. Sein unprätentiöses, sympatisches und humorvolles Auftreten trifft den Nerv der Stehengebliebenen. Ihn spielen zu erleben, verursacht Gänsehaut. Henryk Broder nannte ihn einmal den "Paganini der Marimba" und fand damit einen treffenden Vergleich.
Der Tageszeitung "Die Welt" sagte Jacobowitz in einem Interview: "Ich habe mit 12 angefangen, Schlagzeug zu spielen und liebe dieses Symbol der Kraft. Aber ich wollte Solist werden, nicht hinter der Triangel stehen und einmal pro Stunde «Ping» machen. So habe ich mit 20 Jahren mein eigenes Marimbaphon gekauft. Es gibt auf der Welt nur drei Marimba-Solisten, ich hatte kein Vorbild. Das Instrument versetzte mich in die Lage, Vivaldi und Bach nach 300 Jahren neu zu erfinden. Als ich 1991 nach Budapest auf die Strasse ging, haben die Frauen im Publikum geweint. Wie soll man sie mit einem klassischen Schlagzeug zum Weinen bringen?"
Wenn das Wetter mitspielt, haben die Hallenser am Freitag noch einmal die Chance vor Glück und Ergriffenheit zu weinen... |
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